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Linkspfötig oder rechtspfötig? Pfotenpräferenz bei Katzen

Frau reicht einer schwarzen Katze ein Leckerli, die Katze streckt zum Nehmen eine Vorderpfote aus

Sieglinde Loibichler

Hast du schon einmal beobachtet, mit welcher Pfote deine Katze ein Leckerli aus einer Ecke fischt oder welche Pfote sie zuerst auf die Treppenstufe setzt? Diese Beobachtung lohnt sich. Hauskatzen sind oft entweder Links- oder Rechtspfötler, und das Muster ist nicht zufällig. Wir erklären, was wir darüber wissen, wie du es bei deiner Katze selbst herausfindest und was die bevorzugte Pfote über sie verraten kann.

Was wir über Pfotenpräferenz bei Katzen wissen

Drei von vier Katzen bevorzugen eine Pfote. Beim Greifen nach Futter, beim Treppensteigen oder beim Hinabhüpfen vom Sofa setzen sie immer wieder zuerst dieselbe Seite ein. Es geht dabei nicht um eine bewusste Entscheidung, sondern um eine eingebaute Vorliebe, ähnlich wie beim Menschen.

Anders als bei uns Menschen, wo die meisten Rechtshänder sind, gibt es bei Katzen keine einheitliche Richtung über die ganze Art hinweg. Wer Linkspfötler und wer Rechtspfötler ist, hängt von einem anderen Faktor ab: vom Geschlecht.

Der Unterschied: Männliche oder weibliche Katze? 

Weibliche Katzen sind häufiger Rechtspfötler, Kater in der Regel Linkspfötler. Dieses Muster ist in mehreren Untersuchungen der Verhaltensforschung gut belegt. Etwas mehr als die Hälfte der weiblichen Tiere zeigt eine Rechts-Tendenz, etwas mehr als die Hälfte der Kater eine Links-Tendenz. Bei Hunden und einigen anderen Säugetieren findet sich ein vergleichbares Bild.

Hinter dem Unterschied steht vermutlich das Hormon Testosteron, das schon vor der Geburt auf die Hirnentwicklung wirkt. Eine endgültige Erklärung steht aus, der Geschlechterzusammenhang selbst gilt aber als gut belegt.

Wenn deine Katze noch jung ist, kannst du nicht erwarten, dass die Präferenz schon klar erkennbar ist. Junge Katzen wechseln häufig die Pfote. Eine eindeutige Seite stellt sich in der Regel erst etwa um den ersten Geburtstag herum ein.

So findest du die bevorzugte Pfote heraus

Der einfachste Test funktioniert mit einem Leckerli und einem schmalen Behälter. Du brauchst:

  • Ein Trinkglas, einen kleinen Becher oder ein Futter-Labyrinth
  • Ein paar Leckerli, die deine Katze gerne mag
  • Einen Notizzettel oder das Handy zum Mitschreiben

So gehst du vor:

  1. Stelle das Gefäß so vor deine Katze, dass sie nur mit einer Pfote ans Leckerli kommt. Der Kopf darf nicht hineinpassen.
  2. Beobachte, mit welcher Pfote sie zuerst hinein greift.
  3. Notiere das Ergebnis. Wiederhole das Ganze über mehrere Tage verteilt.
  4. Nach 20 bis 30 Versuchen siehst du in der Regel ein klares Bild.

Ergänzend kannst du im Alltag beobachten:

  • Welche Pfote setzt deine Katze zuerst auf eine Treppenstufe?
  • Welche Pfote berührt zuerst den Boden, wenn sie aus dem Kratzbaum oder vom Sofa hinabsteigt?
  • Welche Pfote streckt sie zuerst nach einem Spielzeug aus?
  • Auf welcher Seite schläft sie bevorzugt?

Eine deutliche Präferenz liegt vor, wenn deine Katze in mindestens drei Vierteln der Versuche die gleiche Pfote benutzt. Verteilt sich das Ergebnis ungefähr halb-halb, gehört sie zu den ambilateralen Tieren, also denjenigen ohne klare Vorliebe.

Was kann die Pfote über deine Katze verraten?

Die Verhaltensforschung hat den Zusammenhang zwischen Pfotenpräferenz und Persönlichkeit untersucht. Ein paar Tendenzen lassen sich daraus  tatsächlich ablesen:

  • Katzen mit klarer Pfotenpräferenz wirken auf ihre Halterinnen und Halter oft selbstbewusster, anhänglicher und aktiver.
  • Ambilaterale Katzen werden regelmäßig  als zurückhaltender oder reizbarer wahrgenommen.
  • Linkspfotige und ambilaterale Tiere zeigen Hinweise auf eine etwas höhere Stressanfälligkeit als ausgeprägte Rechtspfötler.

Es geht hier allerdings nur um eine statistische EinordnungKeinesfalls macht die Pfotenpräferenz deine Katze ängstlicher oder anhänglicher. Sie ist lediglich ein kleiner Hinweis auf die Art, wie ihr Gehirn organisiert ist. Ob deine Katze ein gemütlicher Schmuser oder ein eigenwilliger Wirbelwind ist, entscheiden viele weitere Faktoren.

Was die Pfote nicht über deine Katze verrät

Damit du die Beobachtung nicht überinterpretierst, hier ein paar Hinweise:

  • Die Pfotenpräferenz ersetzt keine tierärztliche Abklärung bei Verhaltensveränderungen.
  • Aus der bevorzugten Pfote lässt sich keine konkrete Trainings- oder Beschäftigungsempfehlung ableiten.
  • Versprechen, an der Pfote das Wesen deiner Katze zu erkennen, gehen über das hinaus, was die Forschung tatsächlich hergibt.

Der Test bleibt das, was er ist: eine schöne Beobachtung, die dir deine Katze ein Stück besser zeigt.

Also zusammengefasst…

Hauskatzen sind in der Mehrheit Links- oder Rechtspfötler, und die bevorzugte Seite hängt mit dem Geschlecht zusammen: Weibliche Katzen tendieren häufiger zur rechten Pfote, Kater häufiger zur linken. Mit dem Leckerli-Test findest du in wenigen Tagen heraus, zu welchem Typ deine Katze gehört. Eine klare Präferenz ist tendenziell ein gutes Zeichen für ein stabiles Temperament. Eine ambilaterale Katze ist deshalb aber nicht weniger wertvoll, sie ist einfach anders organisiert.

Wenn du beim Beobachten den Eindruck bekommst, dass deine Katze schnell unsicher wird oder im Alltag häufig überreizt wirkt, kann das ein Verhaltensthema sein. In so einem Fall können wir uns gemeinsam anschauen,, wo der Stress herkommt und wie der Alltag entlastet werden kann. Melde dich gerne, wenn du Unterstützung brauchst.