Zecken bei Katzen: Warum ganzjähriger Schutz nötig ist
Du fragst dich, ob deine Katze auch im Winter Zecken mitbringen kann? Die Antwort fällt heute anders aus als noch vor zehn Jahren. Bei der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) gingen im laufenden Jahr bereits Anfang Februar erste Meldungen ein. Wenn deine Katze Freigang hat, lohnt es sich, das Thema einmal in Ruhe einzuordnen. Wir zeigen dir, was sich verändert hat, wie du wirksam vorbeugst, wie du eine Zecke richtig entfernst und welche Mythen sich hartnäckig halten.
Was sich in den letzten Jahren verändert hat
Lange galt: Zeckensaison ist Frühling bis Herbst. Diese Faustregel stimmt so nicht mehr. Sobald die Temperaturen mehrere Tage über etwa sieben bis zehn Grad liegen, werden Zecken aktiv. Solche Phasen kommen in Österreich auch in milden Wintern inzwischen regelmäßig vor.
Auch die Höhenverbreitung hat sich verschoben. Einzelne Fundstellen liegen laut AGES mittlerweile über 1.500 Meter Seehöhe. Wirklich zeckenfreie Regionen sind in Österreich die Ausnahme geworden.
Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist die mit Abstand häufigste Art. Im Monitoring-Bericht 2024 machte die Gattung Ixodes 87 Prozent aller untersuchten Zecken aus. Niederösterreich, Oberösterreich, Kärnten und die Steiermark liefern die meisten Funde.
Vor allem Freigängerkatzen sind betroffen
Reine Wohnungskatzen sind kaum betroffen. In Ausnahmefällen kann eine Zecke einmal über Schuhe oder Hose ins Haus gelangen, das ist aber selten.
Anders sieht es bei Freigängern aus. Wer durch Wiesen, Gebüsch oder Waldrand streift, kommt mit Zecken in Kontakt. Das ist Teil eines normalen Katzenlebens. Deine Katze ist deshalb nicht ständig in Gefahr. Vorbereitet sein lohnt sich trotzdem. Wachsamkeit ist sinnvoll, Panik ist nicht nötig.
Welche Krankheiten Zecken auf Katzen übertragen können
Wir reden im Folgenden vom Zeckenbiss, auch wenn die Zecke streng genommen nicht beißt, sondern sticht. Sie schneidet die Haut auf und verankert sich mit ihrem Stechrüssel. Der Begriff Zeckenbiss ist im Alltag aber so eingebürgert, dass wir dabei bleiben.
Ein Zeckenbiss bedeutet nicht automatisch eine Erkrankung. Die meisten Bisse bleiben folgenlos. Bei Katzen sind ernste Krankheitsverläufe nach aktuellem Wissensstand selten. In der Tiermedizin werden im Zusammenhang mit Zecken bei Katzen vor allem diese drei Erkrankungen genannt:
- Borreliose (eine bakterielle Infektion durch Borrelien): Wird durch den Gemeinen Holzbock übertragen. Im AGES-Zeckenmonitoring trägt rund jede fünfte untersuchte Zecke Borrelien. Laut ESCCAP weisen Katzen eine ausgeprägte Resistenz gegenüber einer klinischen Manifestation der Infektion auf. Offizielle Berichte über klinisch signifikante Erkrankungen bei Katzen fehlen bislang.
- Anaplasmose (eine bakterielle Erkrankung der Blutzellen): Wird ebenfalls durch den Gemeinen Holzbock übertragen. Möglich sind Fieber, Mattigkeit, Appetitlosigkeit und veränderte Blutwerte.
- Babesiose (Befall der roten Blutkörperchen durch einzellige Parasiten): Bei der Katze selten. Überträger ist meist die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus), die in Österreich vorkommt, aber seltener als der Holzbock.
FSME betrifft vor allem den Menschen. Bei Katzen sind FSME-typische Krankheitssymptome wie erhöhte Schmerzempfindlichkeit, Krampfanfälle oder Gangstörungen nach aktueller veterinärmedizinischer Datenlage nicht beschrieben.
So beugst du wirksam vor
Veterinärmedizinische Fachgremien wie ESCCAP empfehlen für Freigängerkatzen einen ganzjährigen Zeckenschutz. Welches Präparat für deine Katze passt, entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt. Diese Punkte helfen dir im Alltag:
- Nur für Katzen zugelassene Mittel verwenden. Hundepräparate können für Katzen gefährlich sein. Der Wirkstoff Permethrin etwa, der in vielen Hunde-Spot-ons steckt, ist für Katzen lebensgefährlich. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat dazu mehrfach gewarnt.
- Anwendung nach Anleitung. Spot-on, Tabletten oder Halsbänder unterscheiden sich in Wirkdauer und Anwendung. Frag bei der Tierärztin oder beim Tierarzt nach, was zu deiner Katze und ihrem Freigangverhalten passt.
- Regelmäßige Fellkontrolle. Wenn deine Katze sich gerne streicheln lässt, kannst du dabei nebenbei das Fell durchgehen. Besonders an Kopf, Hals, Ohren und Bauch.
- Garten naturnah, aber zeckenarm gestalten. Kurz gemähte Bereiche und sonnige Flächen werden weniger besiedelt als hohes Gras und feuchte Laubecken.
So entfernst du eine Zecke richtig
Wenn du eine Zecke findest, kannst du sie in den meisten Fällen selbst entfernen. Je weniger Stress die Zecke dabei erfährt, desto geringer ist das Risiko, dass sie Sekret in die Wunde abgibt.
So gehst du vor:
- Nimm eine Zeckenpinzette, eine Zeckenkarte oder einen Zeckenhaken. Eine Splitterpinzette aus dem Verbandskasten geht auch.
- Setze möglichst nahe an der Haut an, ohne den vollgesogenen Körper zu quetschen.
- Ziehe die Zecke gleichmäßig und langsam senkrecht zur Haut heraus. Drehen ist erlaubt. Die Drehrichtung ist egal, weil Zecken kein Gewinde am Mundwerkzeug haben.
- Kontrolliere danach kurz die Stelle. Eine kleine Rötung ist normal.
- Beobachte die Stelle in den folgenden Tagen.
Hausmittel wie Öl, Nagellack oder Hitze gehören nicht zur Zeckenentfernung. Sie setzen die Zecke unter Stress und erhöhen das Risiko, dass sie Erreger in die Wunde abgibt.
Bleibt ein Stück Mundwerkzeug in der Haut, ist das meist kein Problem. Der Körper stößt den Rest mit der Zeit von selbst ab. Wenn sich die Stelle entzündet oder du unsicher bist, lohnt sich der Weg in die Tierarztpraxis.
Mythen, die du getrost vergessen kannst
Zum Thema Zecken kursieren viele halbgare Tipps. Diese Punkte halten einer fachlichen Prüfung nicht stand:
- „Zecken fallen von Bäumen." Zecken sitzen auf Gräsern, niedrigen Sträuchern oder im Bodenbewuchs. Sie werden im Vorbeigehen abgestreift.
- „Bernsteinketten und EM-Keramik schützen vor Zecken." Es gibt keinen wissenschaftlichen Wirknachweis. Wer sich darauf verlässt, riskiert ungeschützte Tiere.
- „Knoblauch im Futter hilft." Knoblauch ist für Katzen giftig und kann zu Blutarmut führen. Diese Empfehlung schadet mehr, als sie nutzt.
- „Kokosöl im Fell vertreibt Zecken." Eine Studie der FU Berlin zeigt eine abschreckende Wirkung der in Kokosöl enthaltenen Laurinsäure auf Zecken, beim Menschen für mindestens sechs Stunden. Für einen verlässlichen, ganztägigen Zeckenschutz bei Freigängerkatzen reicht das nicht.
- „Teebaumöl hilft gegen Zecken." Teebaumöl ist für Katzen toxisch und gehört nicht in ihre Nähe.
- „Zecken sind nur im Sommer aktiv." Die AGES-Daten zeigen das Gegenteil. Zecken sind in Österreich nahezu ganzjährig aktiv.
- „Zecken muss man gegen den Uhrzeigersinn herausdrehen." Die Drehrichtung spielt keine Rolle. Wichtig sind Ruhe und Hautnähe.
Wann du tierärztlich abklären lassen solltest
Aufmerksam werden solltest du, wenn deine Katze nach einem Zeckenbiss auffällige Veränderungen zeigt. Dazu gehören anhaltende Mattigkeit, Fieber, Appetitlosigkeit, Lahmheiten oder eine Entzündung an der Bissstelle, die nicht abklingt. Auch Symptome, die erst Wochen später auftreten, können auf eine Infektion hinweisen.
Im Zweifel ist der Weg in die Tierarztpraxis sinnvoller als Abwarten.
Worauf es ankommt
Zecken sind in Österreich heute auch außerhalb des Sommers ein Thema. Für Freigängerkatzen ist ein ganzjähriger, tierärztlich abgestimmter Schutz nach aktuellem Wissensstand sinnvoll. Eine ruhige Routine aus geeignetem Präparat, regelmäßiger Fellkontrolle und richtiger Zeckenentfernung deckt das meiste ab.
Wenn deine Katze beim Fellkontakt oder beim Entfernen einer Zecke unruhig wird, kann das auch ein Verhaltensthema sein. In so einem Fall schauen wir gemeinsam, wie du den Umgang stressärmer gestalten kannst. Melde dich gerne, wenn du Unterstützung brauchst.